10 Musikorte in London, an denen du ahnungslos vorbeiläufst
Die Türen, Gassen und Gebäude, an denen Musikgeschichte passierte – und die Adressen, um sie selbst zu finden.
- Jeder Ort hier ist eine öffentliche Straße oder ein Gebäudeäußeres – kostenlos zu sehen und zu fotografieren.
- Mehrere widersprechen dem, was du zu wissen glaubst: „Hey Jude" wurde nicht in Abbey Road aufgenommen, und „Sympathy for the Devil" entstand in einem Gebäude, das heute ein Kino ist.
- Sie sind über die ganze Stadt verteilt – von Soho über Barnes bis zu einer echten Insel in der Themse – also gehst du sie am besten in ein paar kurzen Touren an, nicht auf einem einzigen Spaziergang.
- Die meisten haben keine Gedenktafel und keine Menschenmenge. Die ganze Freude liegt darin zu wissen, was du da anschaust.
- Eine kostenlose App kann den zu jedem Ort gehörenden Track abspielen, sobald du ankommst.
London trägt seine Musikgeschichte leise. An den meisten dieser Gebäude gibt es keine Gedenktafeln, keine Schlangen, keine Souvenirshops – nur eine gewöhnliche Tür oder eine unscheinbare Gasse, in der etwas Außergewöhnliches geschah. Der Reiz liegt ganz im Wissen. Hast du es einmal, kannst du nicht mehr vorbeilaufen, ohne hochzuschauen.
Hier sind zehn der besten – die Orte, an denen die Geschichte weit besser ist, als das Gebäude vermuten lässt. Durchgehend echte Adressen, mit einem ehrlichen Hinweis darauf, was du tatsächlich vorfindest, wenn du ankommst.
▶ Hey Jude — The Beatles
1. Trident Studios, Soho
Abbey Road kennt jeder. Fast niemand weiß, dass „Hey Jude" ganz woanders aufgenommen wurde – hier, in einer schmalen Soho-Gasse, in den Trident Studios. Die Beatles kamen 1968, weil Trident eine Achtspur-Bandmaschine hatte, als Abbey Road noch mit vier Spuren lief. Bowie, Queen und Elton John nahmen hier ebenfalls Platten auf. Das Studio ist verschwunden, aber Gasse und Gebäude existieren noch – leicht zu übersehen, wenn man vorbeigeht. Kostenlos, öffentlich. Adresse: 17 St Anne's Court, W1F 0BQ.
▶ The Wind Cries Mary — Jimi Hendrix
2. 23 Brook Street, Mayfair
Jimi Hendrix wohnte hier 1968–69. Das Detail, das die Leute innehalten lässt: Das Nachbarhaus, Nummer 25, war rund 200 Jahre zuvor das Zuhause des Komponisten George Frideric Handel. Zwei der größten Musiker, die je gelebt haben, Tür an Tür – getrennt nur durch die Zeit. Heute ist hier das Museum Handel & Hendrix in London – du kannst hinein, und die Straße ist kostenlos zu begehen. Adresse: 23 Brook Street, W1K 4HB.
▶ God Save the Queen — Sex Pistols
3. 6 Denmark Street, Soho
Die Denmark Street ist „Tin Pan Alley", Großbritanniens alte Songwriting-Maschine. Im Obergeschoss der Nummer 6 lebten und probten die Sex Pistols 1975–76 – und Johnny Rottens Kuli-Zeichnungen an den Wänden sind heute von Historic England als „Grade II listed" eingestuft. Gesetzlich geschützt, wie Höhlenmalereien. Drei Türen weiter, an der Nummer 4, nahmen die Rolling Stones ihr erstes Album auf. Kostenlose, öffentliche Straße. Adresse: 6 Denmark Street, WC2H 8LX.
▶ Keys to Your Heart — The 101'ers
4. 101 Walterton Road, Maida Vale
Vor The Clash war Joe Strummer Frontmann einer Pub-Rock-Band namens The 101'ers – benannt nach der Hausnummer des besetzten Hauses, in dem sie lebten. Diese Adresse. Du kannst vor dem Haus stehen, in dem Strummer lernte, ein Frontmann zu sein – der Ort, aus dem The Clash hervorgingen. Eine ganz gewöhnliche Wohnstraße; bewundere sie vom Gehweg aus. Adresse: 101 Walterton Road, W9 3PG.
▶ Wonderwall — Oasis
5. Berwick Street, Soho
Diese verschwommene Aufnahme zweier Gestalten, die sich auf einer Londoner Straße begegnen, auf dem Cover von Oasis' (What's the Story) Morning Glory? – das ist die Berwick Street, fotografiert in der Dämmerung 1995, damals das pochende Herz von Londons unabhängigen Plattenläden. Ein paar dieser Läden gibt es noch. Stell dich auf die Stelle, und du bist mitten im Cover. Kostenlose, öffentliche Straße. Adresse: Berwick Street, W1F 0PH.
▶ Not Fade Away — The Rolling Stones
6. Eel Pie Island, Twickenham
Das ist der Ort, den fast niemand kennt. Eine kleine Insel in der Themse, erreichbar über eine Fußgängerbrücke, mit einem Hotel, das Anfang der 1960er einer der wildesten R&B-Clubs Londons war. Die Rolling Stones, The Who, Rod Stewart und Eric Clapton machten hier alle ihre ersten Gehversuche. Das Hotel brannte 1971 ab, aber die Insel und ihre Fußgängerbrücke sind geblieben – eine ganze verlorene Szene, versteckt im Fluss. Adresse: Eel Pie Island, Twickenham, TW1 3DY.
▶ Sympathy for the Devil — The Rolling Stones
7. Olympic Studios, Barnes
Du kannst dir eine Kinokarte kaufen und genau dort sitzen, wo „Sympathy for the Devil" aufgenommen wurde. Olympic war eines der großen Studios: Die Stones nahmen hier weite Teile von Beggars Banquet auf, Hendrix spielte „All Along the Watchtower" ein, und Led Zeppelin machten hier ihr erstes Album. Heute ist es ein wunderschönes Programmkino mit Café – die meisten im Publikum haben keine Ahnung, was in diesem Raum passiert ist. Adresse: 117 Church Road, Barnes, SW13 9HL.
▶ Cello Song — Nick Drake
8. 49 Greek Street, Soho
Ein Folk-Club im Keller namens Les Cousins lief hier von ungefähr 1965 bis 1972, und heute würdest du keine Spur davon finden. Aber diese Treppe hinunter spielten Bert Jansch, John Martyn, Sandy Denny, ein junger Paul Simon – und Nick Drake. Wenn du das britische Folk-Revival liebst, ist diese unscheinbare Soho-Tür die Kirche. Kostenlose, öffentliche Straße. Adresse: 49 Greek Street, W1D 4EG.
▶ Astronomy Domine — Pink Floyd
9. 31 Tottenham Court Road
In einem Keller hier lief der UFO Club kaum ein Jahr lang, 1966–67 – und er war die Startrampe von Londons psychedelischem Underground. Pink Floyd und Soft Machine waren die Hausbands; die durchgemachten Happenings hier zündeten die Lunte für alles, was folgte. Der Club ist längst Geschichte, und die Adresse ist heute ein gewöhnliches Geschäftslokal, an dem täglich Tausende vorbeigehen. Adresse: 31 Tottenham Court Road, W1T 1RP.
▶ Maybe I'm Amazed — Paul McCartney
10. The Bag O'Nails, 9 Kingly Street, Soho
In diesem Soho-Kellerclub traf Paul McCartney am 15. Mai 1967 bei einem Georgie-Fame-Konzert auf Linda Eastman – der Beginn einer der großen Liebesgeschichten der Musik. Wenige Monate zuvor hatte Jimi Hendrix hier einen heute legendären Showcase vor der halben Rock-Aristokratie gespielt: Mitglieder von Beatles, Stones und Who drängten sich hinein, um zuzuschauen. Eine stille Tür in einer Seitenstraße mit überdimensionaler Geschichte. Adresse: 9 Kingly Street, W1B 5PH.
Lohnt es sich?
Ehrlich gesagt: Das hängt davon ab, was du suchst. Die meisten davon sind Außenfassaden und gewöhnliche Türen, keine Museen – der UFO Club ist ein Ladenlokal, Les Cousins ist nur eine Hausnummer, und Eel Pie Islands legendäres Hotel ist längst weg. Was du stattdessen bekommst, ist der leise Nervenkitzel, genau an der Stelle zu stehen, wo etwas passierte – und zu wissen, was fast jeder, der vorbeigeht, nicht weiß. Sie sind auch über die ganze Stadt verstreut, also pick dir lieber ein paar heraus, die nahe beieinander liegen, statt zu versuchen, alle zehn an einem Tag zu schaffen. Bequeme Schuhe, und ein bisschen Vorstellungskraft.
Wie Sonic City dazu passt
Das Schwierige am Aufspüren solcher Orte ist das Wissen – zu merken, dass du die richtige Tür erreicht hast, und den passenden Song parat zu haben, wenn es so weit ist. Genau diese Lücke füllt Sonic City. Es ist eine kostenlose App, die das GPS deines Handys nutzt, um den zu jedem Landmark gehörenden Track in dem Moment abzuspielen, in dem du ankommst – sodass „Hey Jude" losgeht, wenn du Trident erreichst, und „Sympathy for the Devil" läuft, während du vor den alten Olympic Studios stehst. Kein gleichzeitiges Lesen von Karte und Trackliste.
Ein paar ehrliche Grenzen: vorerst nur London, nur iPhone, und heute über Apple Music (Spotify kommt bald). Es ist kostenlos, es gibt keine Konten zu erstellen, und es sammelt keine Daten. Wenn du lieber einfach diese Liste und deine eigene Playlist nutzt – das geht auch, alles hier ist so oder so kostenlos zu besuchen.
Sonic City spielt Londons Musikgeschichte ab, während du daran vorbeispazierst – kostenlos, auf deinem iPhone.
Sonic City kostenlos holenHäufige Fragen
Wo wurde „Hey Jude" wirklich aufgenommen?
In den Trident Studios im St Anne's Court in Soho – nicht in Abbey Road. Die Beatles gingen 1968 zu Trident, weil es dort eine Achtspur-Bandmaschine gab, als Abbey Road noch auf vier Spuren lief. Die Gasse und das Gebäude existieren noch; es ist ein kostenloser, öffentlicher Ort.
Kann man Jimi Hendrix' Londoner Wohnung besichtigen?
Ja. Hendrix wohnte 1968–69 in der 23 Brook Street in Mayfair, direkt neben dem früheren Zuhause des Komponisten George Frideric Handel an der Nummer 25. Heute befindet sich dort das Museum Handel & Hendrix in London, und die Straße ist kostenlos zu begehen.
Gibt es das Sex-Pistols-Graffiti in der Denmark Street noch?
Ja. Johnny Rottens Kuli-Zeichnungen an den Wänden der oberen Wohnung in der 6 Denmark Street, wo die Band 1975–76 lebte und probte, sind heute von Historic England als „Grade II listed" eingestuft – gesetzlich geschützt. Die Straße ist kostenlos zu besuchen.
Was ist Eel Pie Island?
Eine kleine Insel in der Themse bei Twickenham, erreichbar über eine Fußgängerbrücke. Ihr Hotel war Anfang der 1960er einer der wildesten R&B-Clubs Londons, wo die Rolling Stones, The Who und Rod Stewart alle frühe Konzerte spielten. Das Hotel brannte 1971 ab, aber die Insel und die Brücke sind geblieben.